Aktuelle Informationen bei Verdacht auf Coronavirus-Infektion (SARS-CoV-2)

06.08.2020

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

es handelt sich weltweit und in Deutschland um eine sehr dynamische und ernst zu nehmende Situation. Weltweit nimmt die Anzahl der Fälle weiterhin zu. Die Anzahl der neu übermittelten Fälle war in Deutschland seit etwa Mitte März bis Anfang Juli rückläufig, seitdem nimmt die Fallzahl stetig zu. Einige Kreise übermitteln derzeit nur sehr wenige bzw. keine Fälle an das RKI. Es kommt aber zunehmend wieder zu einzelnen Ausbruchsgeschehen, die erhebliche Ausmaße erreichen können.

Nach wie vor sind Impfstoffe und antiviral wirksame Therapeutika nicht verfügbar.
Das Robert Koch-Institut schätzt die Gefährdung für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland derzeit weiterhin insgesamt als hoch ein, für Risikogruppen als sehr hoch. Diese Einschätzung kann sich kurzfristig durch neue Erkenntnisse ändern.

 

COVID-19 Verdacht: Testkriterien und Maßnahmen

Orientierungshilfe für Ärztinnen und Ärzte

Eine spezifische Untersuchung auf die Erkrankung COVID-19 (Corona virus disease 2019) durch das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 muss entsprechend den Kriterien des RKIs
(COVID-19: Testkriterien und Maßnahmen) durchgeführt werden bei:

  • Akute respiratorische Symptome jeder Schwere und/ oder
    Verlust von Geruchs-/ Geschmackssinn

    bei ALLEN Patienten, unabhängig von Risikofaktoren.
  • Kontakt zu bestätigtem COVID-19-Fall bis max. 14 Tage vor Erkrankungsbeginn
    UND jegliche mit COVID-19 vereinbare Symptome
    (www.rki.de/covid-19-steckbrief)
  • Klinische oder radiologische Hinweise auf eine virale Pneumonie
    UND Zusammenhang mit einer Häufung von Pneumonien in Pflegeeinrichtung/ Krankenhaus.

Wichtige Informationen s.a. Kassenärztliche Vereinigung Hessen (www.kvhessen.de/coronavirus)

 

Risikogruppen (gemäß RKI)

Risikogruppen für schwere Verläufe: Schwere Verläufe können auch bei Personen ohne bekannte Vorerkrankung auftreten und werden auch bei jüngeren Patienten beobachtet. Die folgenden Personengruppen zeigen ein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf.

  • ältere Personen (mit stetig steigendem Risiko für schweren Verlauf ab etwa 50–60 Jahren;
    87 % der in Deutschland an COVID-19 Verstorbenen waren 70 Jahre alt oder älter
    [Altersmedian: 82 Jahre])
  • Raucher (schwache Evidenz)
  • stark adipöse Menschen
  • Personen mit bestimmten Vorerkrankungen:
    • des Herz-Kreislauf-Systems (z. B. koronare Herzerkrankung und Bluthochdruck)
    • chronische Lungenerkrankungen (z. B. COPD)
    • chronische Lebererkrankungen
    • Patienten mit Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
    • Patienten mit einer Krebserkrankung
    • Patienten mit geschwächtem Immunsystem (z. B. aufgrund einer Erkrankung, die mit einer Immunschwäche einhergeht oder durch die regelmäßige Einnahme von Medikamenten, die die Immunabwehr beeinflussen und herabsetzen können, wie z. B. Cortison)

 

Meldepflicht

Dem Gesundheitsamt muss der Verdacht auf eine Erkrankung, die Erkrankung, sowie der Tod in Bezug auf eine Infektion mit dem neuartigen SARS-CoV-2 durch den behandelnden Arzt gemeldet (§6) werden. Die Erkrankung ist auch dann zu melden, wenn der Verdacht bereits gemeldet wurde. Die Meldung des Verdachts auf eine Erkrankung hat nur zu erfolgen, falls der Verdacht nach dem Stand der Wissenschaft sowohl durch das klinische Bild, als auch durch einen wahrscheinlichen epidemiologischen Zusammenhang begründet ist (siehe RKI-Kriterien). Das Labor ist unabhängig davon verpflichtet, den direkten oder indirekten Nachweis des SARS-CoV-2 namentlichen an das Gesundheitsamt zu melden.

 

Hinweise zur Diagnostik

Zur diagnostischen Abklärung des Verdachtes benötigen wir folgendes Untersuchungsmaterial:

  • 1 eSwab-Abstrich aus den oberen Atemwegen (Oropharynx-Abstrich)

Laut Bewertungsausschuss, Änderung des EBM vom 28.02.2020, ist die Untersuchung eines Materials der oberen Atemwege obligat. Somit kann die Untersuchung auf SARS-CoV-2 im ambulanten Bereich aus einer Probe der oberen Atemwege erfolgen. Ein reiner Nasenabstrich ist kein geeignetes Probenmaterial.

Zusätzlich zur Diagnostik auf SARS-CoV-2 sollte an die Abklärung wichtiger Differentialdiagnosen (Influenza A/B oder andere respiratorische Erreger) gedacht werden. Bitte bedenken Sie, dass derzeit die Erkrankung an einem viralen respiratorischen Infekt wahrscheinlicher ist als eine Erkrankung an SARS-CoV-2.

Für die Influenzadiagnostik benötigen wir einen trockenen Nasen-/ Rachenabstrich.

Eine Abrechnung der SARS-CoV-2 Diagnostik als kassenärztliche Leistung ist nur bei Patienten möglich, die den Kriterien des RKIs entsprechen.

Wichtige Informationen zum Einsatz und zur Beschaffung von Abstrichen

 

Umgang mit Proben, Verpackung und Versand

Proben von Personen mit Verdacht auf eine Infektion mit SARS-CoV-2 müssen als solche gekennzeichnet sein und sollten getrennt verpackt und versandt werden. Hinweise zur Anamnese vermerken Sie bitte auf dem Anforderungsschein.

Probe bis zum Versand möglichst gekühlt lagern. Der Versand an das Labor kann mit dem Probentransportdienst unter Standardbedingungen erfolgen. Proben die nicht mit dem vom Labor organisierten Probentransportdienst verschickt werden, müssen entsprechend den Vorgaben des RKIs verpackt und versendet werden.

 

Präventionsmaßnahmen

Bei Patienten mit Verdacht auf eine Erkrankung durch das SARS-CoV-2 wird zunächst ein Vorgehen zur Prävention der Übertragung durch Tröpfchen empfohlen:

  • Patienten müssen außerhalb des Isolierzimmers einen mehrlagigen Mund-Nasen-Schutz mit korrektem Sitz, tragen.
  • Die Unterbringung der Patienten erfolgt in Einzelzimmern (möglichst mit eigener Nasszelle), ggf. erfolgt Kohortenisolierung.
  • Das Personal verwendet FFP2  Masken, Schutzkleidung, Schutzbrille und Handschuhe.
  • Konsequente Einhaltung der Basishygienemaßnahmen.

Handelt es sich um einen wahrscheinlichen Fall, oder eine mittels Labordiagnostik bestätigte Infektion, werden folgende Maßnahmen empfohlen:

  • Isolierung in einem Zimmer mit Vorraum/Schleusenfunktion.
  • Verwendung von persönlicher Schutzausrüstung (PSA) bestehend aus Schutzkittel, Einweghandschuhen, dicht anliegender Atemschutzmaske (FFP2 bzw. FFP3 oder Respirator bei ausgeprägter Exposition gegenüber Aerosolen, z.B. bei Bronchoskopie oder anderen Tätigkeiten, bei denen Aerosole entstehen können) und Schutzbrille.
  • Risiken durch raumlufttechnische Anlagen, durch die eine Verbreitung des Erregers in Aerosolen auf andere Räume möglich ist, sind vor Ort zu bewerten und zu minimieren.
Für Rückfragen stehen Ihnen folgende Ansprechpartner zur Verfügung
  • Herr Dr. R. Fleischauer
    0611 - 95 68 0 - 66
  • Frau Dr. S. Stielow
    0611 - 95 68 0 - 24
  • Frau Dr. A. Limbach
    0611 - 95 68 0 - 22
  • Frau A. Esterl
    0611 - 95 68 0 - 61
  • Frau A. Baumeister
    0611 - 95 68 0 - 19

 

Weitere Informationen finden Sie auf folgenden Internetseiten

Links

 

Bitte beachten Sie auch die Orientierungshilfe: