WICHTIG: Umsetzung der geänderten EUCAST-Richtlinien in der Antibiotikatestung

30.04.2020

Sehr geehrte Frau Kollegin,
sehr geehrter Herr Kollege,
liebes Praxisteam,

ab jetzt setzen wir die Änderungen der EUCAST-Richtlinien bei uns in der Mikrobiologie um.
EUCAST steht für European Committee on Antimicrobial Susceptibility Testing und gibt die gültigen Empfehlungen für die Antibiotikatestung der Bakterien vor. In Deutschland haben wir als deutschen Arm des EUCAST das NAK (Nationales Antibiotika Sensitivitäts-Komitee).

Die Änderungen der EUCAST Empfehlungen haben Konsequenzen im Hinblick auf die Kennzeichnung S – I – R im Antibiogramm auf dem Befund. Bisher wurde „I“ als „Intermediär empfindlich“ abgelesen. In der Praxis wurden folglich Antibiotika mit dem Ergebnis „I“ wie resistent bewertet.

In Zukunft werden wir die neuen Richtlinien der EUCAST umsetzen:

  • „S“ bedeutet weiterhin, dass ein Mikroorganismus sensibel ist für den Einsatz des jeweiligen Antibiotikums in Standarddosierung.
  • „I“ bedeutet in Zukunft, dass ein Mikroorganismus sensibel ist für den Einsatz des jeweiligen Antibiotikums in erhöhter Dosierung („increased exposition).
  • „R“ bedeutet weiterhin, dass ein Mikroorganismus resistent ist für den Einsatz des jeweiligen Antibiotikums.

Daraus leitet sich ab, dass in Zukunft zwei verschiedene sensible Kategorien verfügbar sind: einmal die normale Sensibilität und NEU die Sensibilität bei HOHER Dosierung des Antibiotikums („I“). Die Dosierungen, auf die sich die typischen Empfehlungen beziehen, können Sie unter folgenden zwei Adressen im Internet abrufen, bzw. einsehen:

https://www.eucast.org/clinical_breakpoints/
https://www.nak-deutschland.org/dosierungstabellen.html

Im Ihnen vertrauten Antibiogramm ergeben sich Veränderungen, von denen wir im Folgenden die wichtigsten Beispiele aufgelistet haben. Die folgenden Antibiotika werden als „I“ berichtet, weil eine erhöhte Exposition/Dosierung, s. Antibiotika-Hochdosistabelle, nötig ist und wir Sie so darauf aufmerksam machen (EUCAST/NAK konform):

ErregerAntibiotika, die zukünftig als "I" berichtet werden
Pseudomonas spp.Piperacillin/Tazobactam, Ceftazidim, Cefepim, Imipenem, Aztreonam, Aminoglykoside, Levofloxacin und Ciprofloxacin
Acinetobacter baumanii-KomplexCiprofloxacin und Aminoglykoside
Enterobacterales (vormals Enterobacteriaceae)Ampicillin i. v., Cefuroxim i.v., Aminoglykoside
Staphylococcus aureusCiprofloxacin, Ofloxacin
Streptococcus pneumoniaeLevofloxacin
Stenotrophomonas maltophiliaTrimethoprim-Sulfamethoxazol

Das bedeutet, wenn zum Beispiel ein Pseudomonas spp. mit Imipenem „I“ berichtet wird, ist dieses Antibiotikum in der höheren Dosierung wirksam.

 

Anpassung der MRGN-Klassifizierung

Auch die MRGN Klassifizierung der KRINKO ist von den EUCAST Neuerungen betroffen. MRGN steht für multiresistente Gram-negative Erreger und KRINKO für Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention.
Bisher wurde ein gramnegativer Erreger als 3-MRGN klassifiziert, wenn 3 der 4 Hauptantibiotika-Gruppen „R“, also resistent waren und als 4-MRGN, wenn 4 der 4 Hauptantibiotikaklassen „R“, also resistent waren. Da „I“ als „R“ bewertet wurde, ergeben sich jetzt Änderungen, sowohl bei den 3-MRGN als auch bei den 4-MRGN. Bitte beachten Sie, dass Resistenz-Statistiken VOR und NACH der Umstellung nicht ohne weiteres vergleichbar sein werden.

Quelle: Epid Bull 2019;9:82 – 83 | DOI 10.25646/5916

Tabelle:  Neue Klassifizierung multiresistenter gramnegativer Stäbchen auf Basis ihrer phänotypischen Resistenzeigenschaften bei Anwendung des EUCAST-Systems

(R = resistent, I = sensibel bei erhöhter (Increased) Dosierung/Exposition,
S = sensibel bei normaler Dosierung)

1  3MRGN (Multiresistente gramnegative Stäbchen mit Resistenz gegen 3 der 4 Antibiotikagruppen)

2  4MRGN (Multiresistente gramnegative Stäbchen mit Resistenz gegen 4 der 4 Antibiotikagruppen)

3  Unabhängig vom Ergebnis der phänotypischen Resistenzbestimmung für Carbapeneme sowie der anderen drei Substanzklassen

Für Rückfragen stehen Ihnen folgende Ansprechpartner zur Verfügung
  • Herr Dr. R. Fleischauer
    0611 - 95 68 0 - 66
  • Frau Dr. S. Stielow
    0611 - 95 68 0 - 24
  • Frau Dr. A. Limbach
    0611 - 95 68 0 - 22